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Freie Müritz

"Freie Müritz"

von Antje Gest für den Nordkurier vom 05.03.2010

Ein Zwei-Tages-Ausflug zur Bürgerfragestunde?


Sie heißt „Freie Müritz“ und hat nur ein Ziel: Den Großkreis Mecklenburgische Seenplatte zu verhindern. Ins Leben gerufen von den beiden Warener Anwälten Sönke Brandt und Markus Astfalck erfuhr die Initiative bereits kurz nach ihrem Bekanntwerden regen Zuspruch. „Viele Menschen vertreten so wie wir die Meinung, dass der Kreis deutlich zu groß wird“, sagte Sönke Brandt und erinnert zugleich an das Urteil des Landesverfassungsgerichtes, das den ersten Reformversuch vor drei Jahren rigoros abgeschmettert hat. Die Richter haben die damaligen Kreise als viel zu groß eingestuft. Sie meinten unter anderem: „Kreise müssen in der Fläche so gestaltet sein, dass es ihren Bürgern typisch möglich ist, nachhaltig und zumutbar ehrenamtliche Tätigkeit im Kreistag und seinen Ausschüssen zu entfalten. Kraftvolle Selbstverwaltung ist darauf angewiesen, dass sich Vertreter aus möglichst vielen gesellschaftlichen Gruppen zusammenfinden.“ Und eben diese ehrenamtliche Arbeit wird nach Meinung der beiden Anwälte erschwert und teilweise auch unmöglich gemacht. Denn da man davon ausgehen müsse, dass Neubrandenburg Kreisstadt werde, dürften Kreistagssitzungen und die der Ausschüsse hauptsächlich auch dort stattfinden. Allerdings können nur jene zu den Sitzungen, die ein Auto haben, denn sehr viele Gemeinden des Müritzkreises haben keine Verbindung mit dem öffentlichen Personennahverkehr in die Viertorestadt. „Wenn jetzt beispielsweise eine Einwohnerin der Gemeinde Boek zur Bürgerfragestunde möchte, ist das für sie dann schon fast ein Zwei-Tages-Ausflug, nur weil sie ihr Recht wahrnehmen möchte“, beschreibt Markus Astfalck die zu befürchtende Situation. Doch nicht nur das Fahrproblem hindere an der ehrenamtlichen Arbeit, sondern auch ein zeitliches. Kaum ein Unternehmer, Freiberufler oder Angestellter könne es sich noch leisten, im Kreistag mitzuwirken, wenn er stundenlang fahren müsse. „Aber all diese Argumente sind ja nicht neu, sondern während der Diskussion zur ersten Gebietsreform
unter anderem auch von Lorenz Caffier, Jürgen Seidel und Wolf-Dieter Ringguth ins Feld geführt worden. Also von jenen, die heute für die Reform stimmen“, meinte Anwalt Brandt. Nicht nur für ihn sehe es so aus, als ob die Interessen der Bevölkerung in den vergangenen Monaten auf dem Altar der persönlichen Begehrlichkeiten geopfert wurden. Der neue Kreis Mecklenburgische Seenplatte werde mit weit über 5000 Quadratkilometern doppelt so groß wie das Saarland und könne eigentlich nicht mehr Kreis genannt werden. Dieser Frage sind die Verfassungsrichter vor drei Jahren aber gar nicht nachgegangen, da sie im damaligen Reformgesetz viele andere Fehler gefunden haben, die zum Urteil führten. „Wir wünschen uns drei bis vier
Musterklagen. Am besten wär‘s, wenn der Landkreis klagt. Das Verfahren vor dem Verfassungsgericht ist nicht mit Kosten verbunden“, erklärte Markus Astfalck, der, nebenbei bemerkt, CDU-Mitglied ist, die gegenwärtige Politik „seiner“ Leute im Kreistag aber nicht nachvollziehen kann. So wie etliche andere Christdemokraten, die bereits angekündigt haben, sich der Initiative „Freie Müritz“ anzuschließen. „Je mehr Menschen mitmachen, um so eindrucksvoller unsere Gegenwehr“, weiß Sönke Brandt.

Interessenten können sich bei ihm unter 03991 64300, Mail: soenke.brandt@rae-brandt-weinreich.de oder bei
Markus Astfalck unter 03991 634847, Mail: astfa@t-online.de melden.

Orte ohne Verbindung nach Neubrandenburg

Die Stadt Neubrandenburg, die in einem neuen Großkreis Mecklenburgische Seenplatte mit großer Wahrscheinlichkeit Kreisstadt wird, ist aus vielen Orten der Müritz-Region mit dem öffentlichen Personennahverkehr nicht oder nicht ausreichend zu erreichen. Das geht aus dem Entwurf für den regionalen Nahverkehrsplan der Region Mecklenburgische Seenplatte hervor, der dem Nordkurier
vorliegt.
An Schultagen ist Neubrandenburg aus folgenden Orten weder mit dem Bus noch mit der Bahn ausreichend zu erreichen: Hohen Wangelin, Kambs, Altenhof, Boek, Buchholz, Fincken, Jaebetz, Kieve, Klocksin, Kogel, Knüppeldamm, Krümmel, Levenstorf, Lupendorf, Massow, Melz, Neu Stuer, Nossentiner
Hütte, Peterdorf, Priborn, Retzow, Rogeez, Satow, Sparow, Stuer, Untergöhren, Wredenhagen, Zepkow und Zislow.
An Ferientagen betrifft das folgende Orte: Alt Rehse, Ankershagen, Bocksee, Groß Dratow, Groß Vielen, Hohen Wangelin, Klein Lukow, Wendorf, Altenhof, Bollewick, Boek, Buchholz, Buschhof, Bütow, Carolinenhof, Fincken, Groß Kelle, Grüssow, Jaebetz, Kambs, Kieve, Klocksin, Kogel, Knüppeldamm, Kraase, Krümmel, Lehsten, Levenstorf, Lexow, Lupendorf, Ludorf, Massow, Melz, Minzow, Neu Stuer, Nossentiner Hütte, Petersdorf, Priborn, Retzow, Rogeez, Rumpshagen, Satow, Sietow Dorf, Sparow, Stuer,
Untergöhren, Walow, Woldzegarten, Wredenhagen, Zepkow und Zislow.

Juristen bieten Kritikern im Netz eine Plattform

von Antje Gest für den Nordkurier vom 09.03.2010


Die von den beiden Warener Anwälten Sönke Brandt und Markus Astfalck gegründete Initiative „Freie Müritz“ hat ihre Bedenken gegen die geplante Kreisgebietsreform jetzt ins Netz gestellt. Auf der Homepage www.freie-mueritz.de erfahren Interessierte, warum die Juristen – und mit ihnen inzwischen viele andere – den Zusammenschluss der Kreise Müritz, Mecklenburg-Strelitz, Teilen Demmins und der Stadt Neubrandenburg ablehnen.
Zum einen geht es um verfassungsrechtliche Bedenken und zum anderen um die „Propaganda“ von Innenminister Lorenz Caffier. Darüber hinaus kritisieren die Anwälte die große Eile. „Wir sind unabhängig, verfassungstreu und überparteilich. Wir reden mit Mitgliedern aller demokratischen Parteien, nicht aber mit der NPD“, erklärte Sönke Brandt. Er und sein Mitstreiter Markus Astfalck hoffen, dass sie von möglichst vielen Einwohnern öffentlich unterstützt werden. Interessenten können sich entweder per Mail, aber auch per Fax und Telefon melden.

Presseartikel als PDF-Download

Artikel der Müritzzeitung vom 05.03.2010 [513 KB]
Artikel der Müritzzeitung vom 09.03.2010 [337 KB]

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